07.03.2018 — Kramp-Karrenbauer: Fahrverbote vermeiden!

8. März 2018

Sehr geehrte Damen und Her­ren,
liebe Kol­legin­nen und Kol­le­gen,

im Moment wird die Debat­te um Die­selfahrzeuge und mögliche Fahrver­bote vielerorts inten­siv, zum Teil sehr emo­tion­al, geführt.

Bei dieser Debat­te geht es nur vorder­gründig um Auto­mo­bile und Antrieb­stech­nik. Es geht vor allem um die Men­schen in unserem Land: Um die Ein­wohn­er in belasteten Städten, die zu Recht weniger Schad­stoffe und sauberere Luft ver­lan­gen. Um die Aut­o­fahrer, die sich im Ver­trauen auf Gren­zw­erte und die zum Kaufzeit­punkt gel­tende Recht­slage ein Die­selfahrzeug angeschafft haben. Unter ihnen sind viele Pendler mit kleinem und mit­tleren Einkom­men, die auf ihr Auto angewiesen sind. Und es geht um die Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er, deren Arbeit­splätze direkt oder indi­rekt von den weit­eren Entwick­lun­gen abhän­gen.

Unsere Poli­tik nimmt diese unter­schiedlichen Inter­essen auf und ver­sucht, sie auszu­gle­ichen. Deshalb bleibt es unser Ziel, Fahrver­bote weitest­ge­hend zu ver­mei­den. Stattdessen treten wir für Maß­nah­men ein, die die Sit­u­a­tion für die Betrof­fe­nen konkret verbessert, ohne dass gle­ichzeit­ig die berechtigten Inter­essen der Aut­o­fahrer ver­nach­läs­sigt und Arbeit­splätze gefährdet wer­den.

Das jüng­ste Urteil des Bun­desver­wal­tungs­gericht­es bietet dazu eine gute Grund­lage. Es bestätigt für die betrof­fe­nen Städte unter Wahrung der Ver­hält­nis­mäßigkeit die Möglichkeit, als let­zte Maß­nahme dif­feren­zierte Fahrbeschränkun­gen lokal zu ver­hän­gen. Die Bun­desregierung set­zt auf vielfältige Maß­nah­men unter­halb dieser Schwelle. Sie hat für solche Möglichkeit­en wie etwa die Umrüs­tung von Nahverkehrs­bussen entsprechende För­der­mit­tel zur Ver­fü­gung gestellt. Damit kön­nen in den meis­ten Städten Fahrver­bote kom­plett ver­mieden wer­den.

Eine Blaue Plakette ist demge­genüber nur eine schein­bare Lösung. Ihre Ein­führung ist nichts anderes als die Ein­führung eines Durch­führungsin­stru­mentes für Fahrver­bote. Denn mit ein­er solchen Plakette wer­den im Ergeb­nis die Notwendigkeit und der Druck für einen dif­feren­zierten Maß­nah­menkat­a­log genom­men.

Wir wollen gemein­sam mit den Ver­ant­wortlichen vor Ort, vor allem aber mit der Auto­mo­bilin­dus­trie weit­ere Maß­nah­men ergreifen: Dazu streben wir einen Zukun­ftspakt mit allen Beteiligten an. Wir wer­den für die öffentliche Hand die Flot­ten­strate­gie und den Umstieg auf emis­sion­särmere Alter­na­tiv­en weit­er vorantreiben. Wir unter­stützen den Auf- und Aus­bau von Infra­struk­tur für E- Mobil­ität. Wir wollen die Möglichkeit­en der Dig­i­tal­isierung für eine intel­li­gen­tere Mobil­ität bess­er und schneller nutzen.

Wir erwarten, dass die Auto­mo­bil­her­steller schnell die vere­in­barte Soft­ware­nachrüs­tung umset­zen. Darüber hin­aus müssen sie mit eige­nen Mit­tel den Umstieg der Aut­o­fahrer auf emis­sion­särmere Fahrzeuge in Form von höheren Prämien fördern. Dort wo eine Nachrüs­tung der Hard­ware tech­nisch möglich und für den Kun­den die bessere Lösung ist, soll sie kosten­frei ange­boten wer­den. Alle Anstren­gun­gen müssen kurzfristig auf die Ver­mei­dung von Fahrver­boten und darüber hin­aus auf den Aus­bau emis­sion­särmer­er Alter­na­tiv­en gerichtet sein.

Mit fre­undlichen Grüßen
Ihre
Annegret Kramp-Kar­ren­bauer

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