Neuer Aufbruch für Europa

23. April 2018

Sehr geehrte Damen und Her­ren,
liebe Kol­legin­nen und Kol­le­gen,

Europa muss bess­er wer­den, dafür brauchen wir Refor­men. Und weil Europa für uns als CDU ein Herzen­san­liegen ist, wer­den wir darauf acht­en, dass bei diesen Refor­men die zen­tralen Prinzip­i­en unser­er Europa­poli­tik einge­hal­ten wer­den: Wir set­zen auf Frei­heit in Ver­ant­wor­tung. Wir set­zen auf Sol­i­dar­ität und einen fairen Aus­gle­ich der Inter­essen: Zwis­chen ärmeren und reicheren, kleineren und größeren Mit­glied­staat­en, zwis­chen Nord und Süd sowie Ost und West. Und wir set­zen auf Sub­sidiar­ität. Denn nicht jedes Prob­lem in Europa ist ein Prob­lem für Europa.

Ein „neuer Auf­bruch für Europa“ ist eines der zen­tralen Vorhaben der CDU. Wir haben Vorschläge entwick­elt, um Europa stärk­er, selb­st­be­wusster und dynamis­ch­er zu machen. In dieser Woche haben wir in den Sitzun­gen von Prä­sid­i­um und Bun­desvor­stand der CDU sowie in der Sitzung der CDU/C­SU-Bun­destags­frak­tion sehr inten­siv über diese Vorschläge disku­tiert. Diese Rei­hen­folge war richtig — auch kün­ftig wollen wir als Partei zu wichti­gen Fra­gen zunächst in unseren inter­nen Gremien die unter­schiedlichen Argu­mente aus­tauschen, um dann gemein­same Posi­tio­nen vertreten zu kön­nen.

In ein­er Gemein­schaft von 28 Staat­en ist die Suche nach Kom­pro­mis­sen keine ein­fache Auf­gabe. Jed­er Mit­glied­staat der EU hat seine berechtigten Anliegen, die er in Ver­hand­lun­gen ein­bringt. Deutsch­land als Land im Herzen Europas und als größtem Mit­glied der Europäis­chen Union kommt die Auf­gabe zu, sowohl eigene Vorstel­lun­gen zu entwick­eln als auch zum Aus­gle­ich aller Inter­essen beizu­tra­gen, damit wir alle gemein­sam erfol­gre­ich die Zukun­ft gestal­ten kön­nen.

Die wichtig­sten Ideen und die Posi­tio­nen der CDU dazu haben wir Ihnen noch ein­mal zusam­mengestellt:

  • Jum­bo-Rat. Die CDU schlägt vor, dass die EU-Finanzmin­is­ter, die auch in der Euro-Gruppe tagen, und die EU-Wirtschaftsmin­is­ter regelmäßig zu gemein­samen Sitzun­gen zusam­menkom­men. Die Zusam­me­nar­beit in solch einem Jum­bo-Rat hätte mehrere Vorteile: Durch bessere Absprachen kön­nte die wirtschaftliche und finanzielle Angle­ichung zwis­chen den Mit­glied­staat­en verbessert. Außer­dem würde die Wet­tbe­werb­s­fähigkeit gestärkt.
  • Ver­ant­wor­tung. Risiko und Haf­tung müssen weit­er zusam­menge­hören. Für Entschei­dun­gen, die auf nationaler Ebene getrof­fen wer­den, muss auch die nationale Ebene haften. Das gilt vor allem für die Schulden der Mit­glied­staat­en. Die Verge­mein­schaf­tung von Schulden lehnen wir ab.
  • Euro-Zonen-Bud­get. Derzeit ste­ht nicht ein­mal die EU-Haushalt­s­pla­nung für die näch­sten Jahre. Die Ver­hand­lun­gen hierüber waren immer schwierig. Sie sind durch den bevorste­hen­den Brex­it noch schwieriger gewor­den. Denn: Das Vere­inigte Kön­i­gre­ich zahlte mehr in den EU-Haushalt ein, als es daraus erhielt. Ohne Finanz­pla­nung für die EU ist es ver­früht, über neue Son­der­bud­gets zu disku­tieren. Deutsch­land ist bere­it, mehr zu leis­ten. Doch zahlre­iche Mit­glied­staat­en wider­set­zen sich höheren Zahlun­gen. Die Debat­te über ein Euro-Zonen-Bud­get führt deshalb in eine Sack­gasse. Zudem ist unklar, welchen Mehrw­ert ein solch­es Bud­get hat. Und wäre es nicht sog­ar ein Spalt­pilz? Zwis­chen denen, die den Euro einge­führt haben, und jenen, die diesen Schritt noch nicht gehen kon­nten oder woll­ten. Refor­men in der EU soll­ten Gräben über­winden und keine neuen aufreißen.
  • Währungs­fonds. Die CDU will den Europäis­chen Sta­bil­itätsmech­a­nis­mus (ESM) zu einem dauer­haften Europäis­chen Währungs­fonds (EWF) weit­er­en­twick­eln. Der EWF muss von der Kom­mis­sion unab­hängig sein, die nationale Ver­ant­wor­tung und die Beteili­gungsrechte des Bun­destags müssen bei finanzwirk­samen Entschei­dun­gen gewahrt bleiben. Haushaltswirk­same Entschei­dun­gen zulas­ten Deutsch­lands ohne Beteili­gung des Deutschen Bun­destags wider­sprechen den Vor­gaben unseres Ver­fas­sungs­gerichts. Auch bei einem EWF muss zukün­ftig zudem die Grun­dregel gel­ten: Finanzhil­fen darf es nur gegen strik­te Aufla­gen und ein Reform­pro­gramm geben.
  • Ein­la­gen­sicherung. Wir wollen die Banke­nunion vol­len­den. Dazu braucht es eine gemein­same europäis­che Ein­la­gen­sicherung. Die kann es erst geben, wenn die Risiken im europäis­chen Banken­sys­tem deut­lich reduziert wor­den sind. Dazu gehören vor allem der Abbau der soge­nan­nten notlei­den­den Kred­ite (non per­form­ing loans) und der reg­u­la­torischen Priv­i­legierung von Staat­san­lei­hen.
  • Flüchtlingspoli­tik. Europa hat eine gemein­same Ver­ant­wor­tung für Flüchtlinge, die ver­fol­gt oder in großer Not sind und somit einen Schutzanspruch haben. Die CDU wird weit­er auf eine sol­i­darische Flüchtlingspoli­tik in der EU drän­gen – ein­schließlich eines fairen Verteilmech­a­nis­mus. Hier müssen alle europäis­chen Staat­en ihrer Ver­ant­wor­tung nachkom­men. Solange dies nicht gewährleis­tet ist, begrüßen wir den Vorschlag, mehr Mit­tel aus dem EU-Haushalt an die Städte und Gemein­den zu geben, die durch die Auf­nahme von Flüchtlin­gen beson­ders große Las­ten tra­gen. Auch muss Europa die innere und äußere Sicher­heit sein­er Mit­glied­staat­en und dabei ins­beson­dere seine Außen­gren­zen wirk­sam gegen ille­gale Migra­tion schützen.

Für uns als die Europa­partei ist klar: Ger­ade in diesen unruhi­gen Zeit­en brauchen wir ein hand­lungs­fähiges Europa. Denn wir wis­sen: Deutsch­land kann es in Zukun­ft nur gut gehen, wenn es auch Europa gut geht. Wir wollen deutsche Inter­essen in einem starken geein­ten Europa umset­zen. Nur gemein­sam kön­nen wir die Auf­gaben der Zukun­ft wie Glob­al­isierung, Dig­i­tal­isierung oder Kli­mawan­del erfol­gre­ich bewälti­gen. Dafür brauchen wir die enge deutsch-franzö­sis­che Zusam­me­nar­beit. Die Erneuerung der EU wird nur gelin­gen, wenn Deutsch­land und Frankre­ich mit ganz­er Kraft gemein­sam dafür arbeit­en. Die Bere­itschaft dazu haben der franzö­sis­che Staat­spräsi­dent und Bun­deskan­z­lerin Angela Merkel beim Besuch Emmanuel Macrons an diesem Don­ner­stag in Berlin deut­lich gemacht. Bei­de wollen eine schnelle Eini­gung bei den The­men, die für die Zukun­ft der Europäis­chen Union von entschei­den­der Bedeu­tung sind.

Bis zum Som­mer wollen wir bei den anste­hen­den Refor­men der EU vorankom­men.

Mit fre­undlichen Grüßen
Ihre
Annegret Kramp-Kar­ren­bauer

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